Hier finden Sie Materialien

über die aktuelle Veranstaltungsreihe

Mehr als Tausendundeinessen (ab 2010) und

über die älteren Reihen

This is my land o è una portaerei?
(This is my land oder ein Flugzeugträger?),
2002-2009.

Tausendundein Essen
“Mille e una cena” 1994-2001 und

Gaststätte der guten Gedanken
“Osteria dei buoni pensieri”
1999-2001.

Einige Beispiele:

Was ist Tausendundeinessen (Vorwort mit Rezept)

2013 Heimliche Dichtung / Poesia segreta

2011 Triest Trst Trieste

Die Welt ist eine Suppe

willkommen bei den Experimenten am Tafel mit und von 

 

Was sind die Tausendundein Essen:

Ein Vorwort mit Rezept, aber vor allem..
wie lange wird sich der König unter (hin) halten lasse?
Nur bis zum Augenblick des Servierens?

Auch die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht wie die Geschichten aus Tausendundeinem Essen, werden erzählt, um den Tod zu verzögern, um einen König, einen grausamen Ritter, von seinen mörderischen Absichten abzulenken. Sein Volk fürchtete sich vor diesem König, der sich regelmäßig die Jungfrauen bringen ließ und nach der Heirat, jedes Mal, sie umbringen ließ. So geschah es, bis eine Jungfrau, Schehrezâd, sich aus Liebe für ihren Vater und ihr Volk, zum Kampf entschied und sich bat, um das Schicksal vieler unter ihren unglücklichen Gleichaltrigen herauszufordern.

Am Abend nach dem Fest wollte sich der König mit ihr in seine privaten Gemächer zurückziehen, um endlich die Hochzeit auf seine schon bekannte Art und Weise zu vollenden. Die Frau aber begann zu weinen. Da fragte der König: "Was fehlt dir eigentlich? Willst du ein Gläschen Grappa? Und die Schale und der Saft von einer halben Zitrone? Oder ziehst du zwanzig Gramm Zucker vor? Und ein Viertel Liter Sahne?

Also die Zutaten der Crema del Lario, für vier Personen?

Sie antwortete: "Nein, o König, was mir fehlt ist meine kleine Schwester. Ich möchte ihr Lebewohl sagen." Der König sandte nach der Kleinen, und sie kam zu ihrer Schwester und umarmte sie. Sie sprachen lange miteinander. Dann schwiegen sie, bis die Schwester sagte:
"Ich bitte dich bei Allah, liebe Schwester, erzähle uns eine Geschichte, die uns helfen kann, die langen Stunden der Nacht zu verkürzen".

Der König, der auch lange Nächte schlaflos verbrachte, gab seine Erlaubnis und die kluge Frau begann die Geschichte zu erzählen. Sie erzählte und erzählte, wobei sie oft an spannenden Stellen innehielt, damit der König die Fortsetzung zu hören verlangte. Tatsächlich sagte der König zu sich selber:

"Bei Allah, diese Frau will ich nicht töten lassen,
bis ich den Schluß ihrer Geschichte gehört habe."

Dann wurde er aber doch ungeduldig. Seine Hand bewegte sich fast unmerklich in Richtung seines Schwertes.

In diesem Augenblick aber sagte die kleine Schwester: "Liebste Schwester, was deine Worte besänftigen können, ist nur das immer schnelleres Pochen meines Herzens, nicht das Brummen im meinen Magen.

Ich bitte dich bei Allah, liebe Schwester, koche uns ein Gericht, das uns helfen kann, die immer dunklere Leere, die in unserem Leib aufreißt"

Schehrezâd stand auf, nahm die Schwester an der Hand und ging mit dem König in die Küchen. Da der König alle Diener und seine Gefolgschaft weggeschickt hatte, waren sie - der König, die Frau und ihre kleine Schwester - allein in den großen Palastküchen. Ohne die Erzählung zu unterbrechen, fing Schehrezâd mit dem Kochen an. Sie schlug die Sahne steif. Dann vermischte sie sie mit dem Zucker und mit der geriebenen Zitronenschale. Dann fügte sie nach und nach den Zitronensaft hinzu und rührte dabei ständig um. Der König, der ihre Bewegungen verfolgte, tauchte einen Finger in das Gericht in Vorbereitung und fand es so gut, daß er sagte:

"Bei Allah, diese Frau will ich nicht töten lassen,
bis sie nicht mit ihrem Gericht fertig wird".

Dann wurde er aber doch ungeduldig. Seine Hand bewegte sich wieder unmerklich zu seinem Schwert.

Die kleine Schwester hatte die Schwankung in der Stimmung des Königs gemerkt und winkte Schehrezâd. Dann begannen ihre Lider schwerer zu werden, scheinbar wegen der Müdigkeit, als ob sie langsam einschlafen würde. Schehrezâd fügte die Grappa hinzu und verteilte alles in Glasschälchen. Sie legte sie in Kühlschrank. Dann setzte sie sich, ohne die Erzählung zu unterbrechen. Sie begann die Stärke ihrer Stimme zu senken, als ob sie die Schwester in den Schlaf begleiten würde. Die Kleine hatte sich inzwischen auf einen Bank in dem großen Kamin hingelegt. Um ihre Wörter - inzwischen ein fast unverständliches Flüstern - zu verstehen, mußte der König ihr immer näher rücken. Bis ihre Körper sich berührten. Bei der Berührung mit Schehrezâd - nach einiger Zeit - ließ die Hand des Königs das Schwert und suchte die Frau. Er wollte sie an der Hand nehmen und woanders hinzubringen. Die Frau aber schnitt die Zitronenschale, um die crema del lario zu dekorieren. Sie deutete auf die Schwester, die scheinbar noch nicht ganz eingeschlafen war und hielt den König bei sich, ohne die Erzählung und die Berührung zu unterbrechen. Und der König dachte:

"Bei Allah will ich diese Frau nicht töten lassen,
ich will sie nicht töten lassen"

Dann wurde er doch ungeduldig. Er litt darunter.
Aber seine Hand bewegte sich wieder zu seinem Schwertes.

Da hörte sich der Hahnschrei, während die ersten Sonnenstrahlen in das Zimmer hineindrangen. Der König mußte in die Regierungshalle hinüber, um dort Gerechtigkeit zu sprechen, um seiner Regierungspflicht nachzukommen. Als er aufstehen mußte, erinnerte er sich wieder an das Gewicht seines Schwertes, das er jetzt nicht mehr gegen die Frau benutzen konnte. So ging er weg und ließ die Frauen bei Glut des Kamins allein.

Erst als der Tag zur Neige ging, konnte er zu seiner Gemahlin zurückkehren, um die Ehe zu vollziehen. Auf seine bekannte Art und Weise. Als er aber ankam, war noch immer die kleine Schwester da. Sie sagte zu Schehrezâd: "Liebe Schwester, erzähl uns doch das Ende deiner Geschichte und bereite endlich zu Ende deine Gerichte!" Und die erwiderte: "Mit Freude werde ich es tun, wenn der König es mir erlaubt!"

Der König winkte zu. Da atmete die Frau tief auf. Und alles ging es weiter.

Aber nicht mal in jener Nacht gelang sie zum Ende ihrer Geschichte. Weil eine zweite Geschichte in der ersten angefangen hatte, sowie die letzen Schritte des Gerichtes von Gestern die ersten eines neuen Gerichtes begleiten. Letzteres war noch länger und vielversprechender. Während der König auf das Crema del Lario wartete, verbreiteten sich andere appetitliche Gerüche und Geräusche.

So ging das Leben in den Nächten in den Palastküchen. So geht es bis heute weiter, eine Nacht nach der anderen, in einem Überschlagen von Gerichten und Geschichten, jede Nacht verschieden, in einer Verwirrung von immer vielfältigeren Gerüchen und Fäden, ohne dass jemals eine Geschichte oder ein Gericht vor dem Sonnenaufgang abgeschlossen oder vollendet ist

Weil die erste Zutat des Geheimnis von Schehrezâd besteht darin,
daß sie nie wirklich zur Vollendung einer Nacht, eines Essens, einer Geschichte kommt.

Ist es möglich , daß sie den Faden nie verliert? Daß sie die verschiedenen Operationen in der Küche nicht verwechselt? Und wie lange- fragte sich der König - muß die Crema del Lario im Kühlschrank bleiben?

Aber vor allem - und das betrifft die zweite Zutat des Geheimnis von Schehrezâd,
und zwar ihr Glauben in die Geduld des Königs - wie lange noch wird diese Geduld dauern?

Wie lange wird sich der König noch unter- und hinhalten lassen?

Nur bis zum Augenblick des Servierens?

"Alf laila wa laila": das ist der arabischer Titel einer Reihe von Geschichten alter und unbestimmter Ursprung. Die erste schriftliche Spur ist in dem Werk "Goldene Praterie" von al-Masudi aus dem zehnten Jh. enthalten. Die Geschichten wurden im Europa am Anfang des XVIIII. Jh. gesammelt, in der Zeit von Charles Perrault (Der gestiefelte Kater, Rotkäpchen). Der Arabist Antoine Galland ergänzte die mündlichen Erzählungen von einem Maronit aus Alepp, Hannà mit anderen Quellen aus Syrien und übersetzte 234 Geschichten vom Arabischen ins Französischen, Mille et Une Nuits. Die Gallandsfassung ist die erste arabische systematische Schriftfassung, so zu sagen vom Französischen ins Arabischen, Alf laila wa laila, hundert Jahre später, 1835, in Kairo veröffentlicht. Aus dieser Fassung sind unzählige Übersetzungen entstanden.

Wie alle Werke, die immer wieder überschrieben werden, ist Tausendundeine Nacht von vielen Diskussionen und Geheimnissen umwoben. Es wird behauptet, daß einige Geschichten (Aladin, Ali Babà und die vierzig Räuber) von Galland vollständig erfunden wurden. Es gibt auch eine Legende, die besagt, daß Tausendundeine Macht denjenigen töten werden, der sie vom Anfang bis Ende lesen wird; und in der Tat sprechen viele davon, aber nur wenige haben das monumentale Werk vollständig gelesen: Galland übersetzte 234 Geschichten in 12 Bändern. Auch in Musik und Kino hat Tausendundeine Nacht vieles erzeugt. Pier Paolo Pasolini hat einen Film einigen Erzählungen entnommen. Unter den Übersetzern möchte ich Richard Francis Burton, Abenteurer und Landforscher, Entdecker des Tanganika-Sees erwähnen. Er schrieb eine englische Fassung, die damals (1832) sehr Aufsehen erregte, "für die Unterwelt", "unannehmbar". Er schrieb diese Fassung in Triest, wo er englischer Konsul war (und der Autor dieser Zeilen geboren ist). Auch die Übersetzung von Enno Littmann muß erwähnt werden, die beste nach der Mehrheit der Fachleute, auch wenn nach Borges "Littman ... kann nicht lügen, in seiner Fassung gibt es nichts anderes als die Rechtschaffenheit der Deutschen" Das ist die Version vom Arabischen ins Deutschen, Tausendundeine Nacht, von der ich ausgegangen bin, um das Vorwort der Tausendundein Essen zu schreiben, vom Deutschen ins Italienischen, Le Mille e Una Notte.

(Quelle der erwähnten Informationen ist ein schöner Artikel von Pier Luigi Vercesi in der Stampa von 22. November 1994).

 


           

Osteria dai buoni pensieri

Gaststätte der guten Gedanken

(Gaststätte nur der guten Gedanken ?
Nein, eigentlich aller Gedanken, ohne Einschränkungen,
weil den Gedanken kein Maulkorb verpasst werden kann,
und weil auch die schlechten Gedanken vielleicht anders werden können, vor allem wenn wir uns darüber gemeinsam an einem gedeckten Tisch trösten.)

war

eine italienische Gaststätte neuer Gründung, eine Wandernde Gaststätte,
wo mit Gerichten, Texten und Bildern Anregungen serviert werden,
die aus meinen Reisen entstehen

un’osteria italiana di nuova fondazione,osteria itinerante,
dove con pietanze, testi ed immagini vi vengono serviti spunti
che nascono dai miei viaggi